Inter* im Arbeitsleben

Mit der Einführung des Personenstands „divers“ sind konkrete Maßnahmen der Antidiskriminierung von inter* Personen auch im Arbeits- und Berufsleben rechtlich geboten. In der Umsetzung von diskriminierungssensiblen Strategien fehlt es dabei jedoch häufig (noch) an konkreten Handlungsempfehlungen und entsprechender Unterstützung bei der praktischen Einführung. Unterstützung könnte etwa in Form von Sprachvorlagen für geschlechtsneutrale E-Mail-Anreden oder Vorschläge für den Umgang mit bisher geschlechtlich getrennter Dienstkleidung geboten werden. Zusätzlich herrscht große Rechtsunsicherheit, wie sich der Personenstand auch auf bisher binär verfahrende rechtliche Regelungen wie zum Beispiel auf den „Mutterschutz“ oder auch auf Formen der sogenannten positiven Diskriminierung etwa durch eine „Frauenquote“ auswirkt.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat 2020 zwei Studien veröffentlicht, die umfangreich über das Thema Inter* im Arbeits- und Berufsleben informieren, Problemfelder identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen formulieren.

„Geschlechterdiversität in Beschäftigung und Beruf – Bedarfe und Umsetzungsmöglichkeiten von Antidiskriminierung für Arbeitgeber_innen“ (2020)

Diese Publikation richtet sich explizit an Arbeitgeber*innen und vermittelt konkrete Handlungsempfehlungen, wie der Arbeitsplatz möglichst diskriminierungssensibel gestaltet werden kann.Die Studie identifiziert auf Grundlage des gegenwärtigen Forschungsstandes und anhand von Expert*innen-Interviews verschiedene Handlungsbereiche zur Antidiskriminierung von intergeschlechtlichen Menschen im Berufsleben und zeigt dann konkrete Möglichkeiten zur Umsetzung für Arbeitgeber*innen auf. In insgesamt 26 Bausteinen zu den Themenfeldern Betriebskultur, Personalgewinnung, Umgang mit geschlechtsbezogenen Daten, Sprache und Kommunikation, Sanitäranlagen sowie Körper, Kleidung und Gesundheit werden praktische Handlungsempfehlungen für die Berufspraxis formuliert, die die Anerkennung und Implementierung geschlechtlicher Vielfalt im Arbeitsleben ermöglichen sollen. Zusätzlich verweist die Publikation auf bundesweite Beratungsstellen und weitere Ressourcen wie etwa Sprachleitfäden und zusätzliches Infomaterial zur Aufklärung und Sensibilisierung. Hier können Sie die Studie bestellen oder als PDF-Datei herunterladen.

„Jenseits von männlich und weiblich – Menschen mit Varianten der Geschlechtsentwicklung im Arbeitsrecht und öffentlichen Dienstrecht des Bundes“ (2020)

Diese zweite Publikation unter dem Titel klärt über die rechtlichen Konsequenzen des Personenstandes in Hinblick auf Arbeitsreicht und Recht des öffentlichen Dienstes auf. Da beide Rechtsgebiete bisher einem binären Geschlechtsmodell folgen, wird in der Studie herausgearbeitet, welche Bereiche des Rechts auch für intergeschlechtliche Menschen mit einem diversen Geschlechtseintrag anwendbar sind und in welchen Bereichen die Gesetzgebung zukünftig noch Klarstellung schaffen muss. Hierzu wird der konkrete Anpassungsbedarf verschiedener Vorschriften benannt, für die Geschlecht als Tatbestandsmerkmal von Relevanz ist (wie z.B. Regelungen zum „Mutterschutz“). Berücksichtigt wird in der Analyse nicht nur das deutsche Verfassungsrecht, sondern auch das Recht der Europäischen Union, das in Bezug auf geschlechtsbezogene Diskriminierung am Arbeitsplatz eine zentrale Rolle einnimmt. Hier können Sie die Studie bestellen oder als PDF-Datei herunterladen.

Auch das Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung (IDA) hat zwei Studien zum Thema inter* am Arbeitsplatz veröffentlicht.

„Inter* im Office?! – Die Arbeitssituation von inter* Personen in Deutschland unter differenzieller Perspektive zu (endo*) LSBT*Q+ Personen“ (2020)

Diese Studie hatte die Zielsetzung, die Arbeitssituation von inter* Personen zu untersuchen und mit den Erfahrungen von endogeschlechtlichen LSBT-Personen zu vergleichen. Dazu wurden 32 inter* Beschäftigte und 1223 endo* LSBT-Beschäftigte zu ihrer Arbeitssituation und Diskriminierungserfahrungen am Arbeitsplatz befragt. Zentrale Ergebnisse der Studie sind etwa, dass alle befragten Gruppen nach wie vor mit Feindlichkeit und Diskriminierung am Arbeitsplatz konfrontiert sind. Die Diskriminierung fiel jedoch bei inter* Personen und trans* und/oder nicht-binären Personen, die (eher) als abweichend von einer binären Geschlechternorm gelesen werden, noch stärker aus. Hier können Sie die Studie bestellen oder als PDF-Datei herunterladen.

„Out im Office! Out vor Kunden_innen“ (2021)

In dieser Studie wurde noch spezifischer nach dem Umgang von LSBTI-Personen mit der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität im Kund*innen-Kontakt am Arbeitsplatz gefragt. Dazu wurden 1012 LSBTI-Personen, davon 25 inter* Personen, zu ihren Erfahrungen im Umgang mit Kund*innen befragt. Zentrale Ergebnisse der Studie sind, dass ein offener Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität im Kund*innen-Kontakt von den Befragten seltener gepflegt wird als etwa im Kontakt mit Kolleg*innen oder Vorgesetzten und dass zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Befragten angaben, bereits Diskriminierungserfahrung im Umgang mit Kund*innen gemacht zu haben. Hier können Sie die Studie bestellen oder als PDF-Datei herunterladen.