Intergeschlechtlichkeit bezeichnet generell angeborene körperliche Merkmale, die nicht in die binäre gesellschaftliche Norm von männlich und weiblich passen. Das kann auf genetischer, hormoneller oder anatomischer Ebene sein.

Die Intergeschlechtlichkeit eines Menschen kann sich schon kurz nach der Geburt, im Kleinkindalter oder in der Pubertät zeigen. Manchmal bleibt sie auch unentdeckt.

Inter* hat viele Namen. Wenn Sie mehr über Begriffe und Namen wissen wollen, schauen Sie doch in unser Glossar.

Wie viele intergeschlechtliche Menschen gibt es?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es gibt keine offizielle Statistik in Deutschland, welche die Zahl der inter* Personen dokumentiert. Außerdem wird auch immer wieder darum gestritten, was als intergeschlechtlich, männlich oder weiblich gilt. Wissenschaftliche Schätzungen hinsichtlich des prozentualen Anteils von inter*Menschen an der Gesamtbevölkerung liegen zwischen 0,02 und 1,7 Prozent.

Zum Vergleich gibt es in Deutschland

  • fast so viele Zwillinge wie inter* Kinder.[1]
  • etwa so viele rothaarige Menschen wie intergeschlechtliche Menschen.[2]

Intergeschlechtlichkeit ist also nicht so selten, wie man denkt. Sie ist allerdings durch die lange währende Tabuisierung des Themas nicht so bekannt.

Variationen der geschlechtlichen Entwicklung sind keine Krankheit

Intergeschlechtlichkeit ist keine Krankheit und schränkt die Gesundheit in der Regel nicht ein. Manche Variationen können allerdings mit spezifischen Gesundheitsrisiken einhergehen. Die Medizin drückt sich in Diagnosen aus und verwendet für Intergeschlechtlichkeit den Sammelbegriff „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ (im Englischen: DSD (Disorders/Differences of Sex Development). Der Begriff DSD wird von Verbänden und Aktivist*innen jedoch kritisiert, da er den Eindruck vermittelt, etwas sei mit dem Körper von intergeschlechtlichen Menschen nicht richtig, sondern er sei „gestört“ und müsse daher behandelt werden.

Muss Intergeschlechtlichkeit behandelt werden?

Nein. Die Intergeschlechtlichkeit an sich ist nicht behandlungsbedürftig. Da ein intergeschlechtlicher Körper aber ganz verschieden aussehen kann, ist es wichtig, ihn gut zu kennen und auch zu wissen, was für Versorgungsleistungen im Einzelfall zustehen. Leider werden bis heute auch immer noch kosmetische Operationen angeboten, die die Gesundheit nicht verbessern, sondern im Gegenteil, die Gesundheit einschränken können.[3] Informationen um die Diskussion zu Menschenrechten finden Sie hier. Mehr zum Thema Gesundheit finden Sie hier.


[1] 2017 kam es bei 1,8% der Geburten in Deutschland zu Zwillings- bzw. Mehrlingsgeburten (Statistisches Bundesamt).

[2] Etwa 1–2 % der Menschen in Deutschland haben naturrote Haare.

[3] Vgl. Schweizer, Katinka; Richter-Appelt, Hertha (2012): Die Hamburger Studie zur Intersexualität. In: Schweizer, Katinka; Richter-Appelt, Hertha: Intersexualität kontrovers. Gießen: psychosozial Verlag. S. 187-205.

Eine niedergelassene Inter* Beratungsstelle gibt es in NRW derzeit nicht. Der Verein Intersexuelle Menschen e.V. bietet allerdings aufsuchende Peer-Beratung an. Peer-Beratung bedeutet – kurz gesagt – Gleiche beraten Gleiche, das heißt, die Berater*innen sind selbst intergeschlechtlich oder sind Eltern eines intergeschlechtlichen Kindes. Sie sprechen aus eigener Erfahrung und können Sie auf Augenhöhe beraten.

Hier können Sie sich näher über das Angebot der Peer-Beratung informieren:

Verein Intersexuelle Menschen e.V.  http://www.im-ev.de/
NRW-Landesverbandhttp://nrw.im-ev.de/

In NRW gibt es zudem die Familienselbsthilfegruppe Lila NRW, die sich regelmäßig in Köln trifft. Nähere Informationen dazu können Sie hier erfragen: Email.

Auch auf der Website der Selbsthilfegruppe für Eltern und Familienangehörige intergeschlechtlicher Menschen gibt es Informationen zu persönlichen Treffen, zu Literatur und zu verschiedenen Themengebieten, rund um Intergeschlechtlichkeit. 

Mediziner*innen können zudem zu körperbezogenen Fragen beraten. Die Erfahrungen sind dabei sehr unterschiedlich. Wichtig ist, dass Sie sich gut beraten und wohl fühlen. Fragen Sie bei den Selbstorganisationen nach Erfahrungsberichten und suchen Sie sich eine*n Ärzt*in, der*dem Sie vertrauen.

Beratungsstellen, die sensibel für die Belange von intergeschlechtlichen Menschen sind, sind zudem:

Bochum (Rosa Strippe)

Die Rosa Strippe berät inter* Personen und deren Angehörige im Rahmen einer Erst- oder Clearingberatung. Dafür steht den Mitarbeitenden ein recherchierter Infopool mit Ansprechpersonen z. B. aus der Selbstorganisation oder dem Gesundheitswesen zur Verfügung. Die Rosa Strippe berät parteilich hinsichtlich des Schutzes und der Unversehrtheit von intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen, affirmativ in Bezug auf geschlechtliche Vielfalt und mit Blick auf das Kindeswohl.

Köln (rubicon e.V.)

Im Rahmen der psychosozialen Beratung zu sexueller Orientierung, zur Gründung von Regenbogenfamilien und zu geschlechtlicher Selbstbestimmung berät rubicon e.V. auch intergeschlechtliche Menschen. Rubicon e.V. bietet keine Spezialberatung zu Inter* und übernimmt hier eher eine Lotsenfunktion und verweist z.B. an die Peer-Beratung des Vereins Intersexuelle Menschen e.V. Diese Weiterverweisung an die Peer-Beratung gilt insbesondere für inter* Personen in Coming-Out-Situationen sowie für Eltern von intergeschlechtlichen Kindern, die dort u. a. sehr viele Antworten auf medizinische Fragen erhalten können.

Einige Beratungsstellen von pro familia in NRW:

pro familia Bielefeld

pro familia Köln-Zentrum

pro familia Mettmann

pro familia Oberhausen

pro familia Remscheid

pro familia Sankt Augustin

pro familia Witten

Weitere Informationen und (bundesweite) Angebote von Selbstorganisationen finden Sie hier: 

Diagnosespezifische Selbstorganisationenhttp://www.klinefelter.de/cms/
http://www.47xxy-klinefelter.de/
https://www.ags-initiative.de/
http://turner-syndrom.de/
OII (Organisation Intersex International)  https://oiigermany.org/
Antidiskriminierungsarbeit & Empowerment für Inter* https://interprojekt.wordpress.com/
Kampagne für eine Dritte Optionhttp://dritte-option.de/
DGTI (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.)https://www.dgti.org/

Für inter* Jugendliche kann auch ein queerer Jugendtreff interessant sein. Mehr Informationen zu den Treffs in NRW finden Sie auf der Seite der Queeren Jugend NRW. Hier finden Sie auch Hinweise darauf, ob Belange von intergeschlechtlichen Jugendlichen mitgedacht und adressiert werden.

Es gibt außerdem einen von Wissenschaftler*innen aus Hamburg betriebenen Blog zum Thema Inter*, in dem Hinweise auf Literatur, Veranstaltungen oder auch Informationen zu geschlechtlicher Vielfalt zu finden sind: Blog Intersex kontrovers.

Auch die Vereinten Nationen (englisch “United Nations“) haben sich mit dem Thema Inter* befasst und eine Kampagne für mehr Aufklärung erstellt. Hier finden sich Videos, Stimmen von intergeschlechtlichen Menschen und Info-Blätter mit Fakten (“Fact Sheets“): Free & Equal (Intersex Awareness von den United Nations). (Englisch)

Mit Unterstützung von Andreas Hechler

Intergeschlechtliche Menschen sieht man bisher wenig im öffentlichen Raum. Auch in Serien, Büchern oder im Fernsehen sind sie wenig repräsentiert.

Wir wollen hier ein paar Stimmen von intergeschlechtlichen Menschen und ihren Angehörigen sammeln, die verschiedene Facetten ihres Lebens mit uns teilen.

Es gibt im Internet einige Videos, Beiträge oder Projekte zum Thema Intergeschlechtlichkeit. Hier haben wir ein paar davon gesammelt:

OII Europe (Organisation Intersex International, Europe) haben unter #MY INTERSEX STORY Geschichten von inter* Menschen aus ganz Europa versammelt. Auf der Projektseite finden sich Videos und Informationen zum Projekt. Im Buch erzählen inter* Menschen aus ganz Europa ihre Geschichten. (Webseite und Geschichten sind auf Englisch)

Das 2012 gegründete Interfaceproject porträtiert intergeschlechtliche Personen in ihren verschiedenen Lebensrealitäten. Die Personen stellen sich in kurzen Videos selbst vor und berichten aus ihren Leben, zu jedem Video gibt es außerdem ein Transkript.

Die Sendung Auf Klo vom öffentlich-rechtlichen Jugendsender funk hat in einer Folge Audrey aus der Schweiz zu Gast. Audrey berichtet unter anderem von den medizinischen Eingriffen, die sie als Kind und Jugendliche erlebt hat:

(Die Videos sind auf Deutsch, Französisch oder Englisch. Meist auch mit deutschen Untertiteln.)

Weitere Videos von Audrey finden Sie auf ihrem Youtube Kanal (Audr XY). (Die Videos sind auf Deutsch, Französisch oder Englisch, meist auch mit deutschen Untertiteln)

Auf der medienpädagogischen Seite Planet Schule finden Sie ein Video, in dem Lynn aus Berlin berichtet, wie es ist, intergeschlechtlich zu sein.

Der YouTube Kanal von OII Europe präsentiert ein Video mit dem Titel „My intersex Story“:

(Englisch mit deutschen Untertiteln.)

Vom WDR gibt es außerdem einen Beitrag, in dem eine Mutter zu ihren Erfahrungen mit der Intergeschlechtlichkeit ihres Kindes interviewt wird. Auch in der EMMA findet sich ein Text einer Mutter. Hier erzählt J.M. Pulvermüller wie es ist ein intergeschlechtliches Kind zu haben.

Ted Talk von Emily Quinn – Wie wir über das biologische Geschlecht denken ist falsch. (Englisch mit deutschen Untertiteln.)
Emily Quinn ist Autorin, Grafikerin und Aktivistin bei InterAct.

Die Bücher Inter*Trans*Express und Identitätskrise 2.0 sind eine Sammlung von Kurzgeschichten, Gedichten und Zeichnungen von Alltag und Widerstand als „Genderoutlaw“. Beide Bücher beschreiben persönliche Erfahrungen und machen damit Inter* Perspektiven sichtbar. Hier finden Sie exklusiv Auszüge aus beiden Büchern.

Weiteres Material von intergeschlechtlichen Menschen:

Bücher und Webseiten

Sammelband mit kurzen, persönlichen Geschichten von intergeschlechtlichen Menschen aus der ganzen Welt.

  • Inter – Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen in der Welt der zwei Geschlechter. Von Elisa Barth u.a. (2017/2013): Berlin: NoNo Verlag / Münster: edition assemblage.

Kurzgeschichten, Gedichte und Zeichnungen einer intergeschlechtlichen Person:

  • Identitätskrise 2.0 oder eine Analyse meiner linken DNA. Von Ika Elvau (2019). Münster: edition assemblage.
  • Inter*Trans*Express* – eine Reise an und über Geschlechtergrenzen. Von Ika Elvau (2014): Münster: edition assemblage.

Portale und Webseiten auf denen inter* Personen von sich erzählen:

Webseiten und Broschüren wo man sich weiter zu Inter* informieren kann:

  • Regenbogenportal – Das Wissensnetz zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlicher Vielfalt. Viele lesenswerte Texte, auch zum Thema Intergeschlechtlichkeit des BMFSFJ.
  • Inter* und Sprache. Eine Broschüre des Antidiskriminierungsprojekts von TransInterQueer.
  • Wenn Sie das Thema Akzeptanz und Vielfalt weiter fördern möchten, finden Sie in der Broschüre Akzeptanz für Vielfalt viele Anregungen für Kinderbücher.

Videoclips

Empfohlene (Film-)Dokumentation:

Comics und Graphic Novels

Hinter dem englischen Begriff Allyship verbergen sich die Konzepte von Verbundenheit, Solidarität und Unterstützung. Ein Ally ist also eine unterstützende Person, ein*e Verbündete*r, der*die sich – in diesem Fall – mit inter* Menschen für inter* Menschen und ihre Anliegen einsetzt, ohne selbst intergeschlechtlich zu sein.

Hier möchten wir Ihnen einige Möglichkeiten aufzeigen, der Diskriminierung von intergeschlechtlichen Menschen entgegenzuwirken und selbst Verbündete*r von inter* Menschen zu werden. Außerdem erklären wir, was es beim Thema Allyship zu beachten gibt.

Dies vorweg: Es gibt unterschiedliche Vorstellungen davon, was es bedeutet, ein Ally zu sein. Während zunächst jegliches Engagement für diskriminierte Gruppen sehr löblich und wertvoll ist, kommt es bei eine*r/m Verbündeten auf seine*ihre Ernsthaftigkeit, Taten und Ausdauer an. Als Ally sollte man sich nicht nur bezeichnen, sondern sich vor allem auch entsprechend einsetzen und verhalten.

Der Diskriminierung entgegenwirken – Jede*r kann helfen

Die Idee der Zweigeschlechtlichkeit ist in vielen Gesellschaften tief verankert und wird durch soziale Praxen aufrechterhalten. Die Praxis, intergeschlechtliche Kinder früh operieren zu lassen und ihr Geschlecht einer vorgegebenen Norm „anzugleichen“, entspringt schwerwiegender Weise der Überzeugung, dass es nur zwei Geschlechter gäbe und alle anderen Auffassungen von Geschlecht davon abweichen und nicht von der Gesellschaft akzeptiert würden. Aus der Sorge heraus, dass das Kind im Laufe seines Lebens Diskriminierung erfahren und sich als „fehlerhaft“ empfinden würde, wurden unzählige Operationen ohne Einwilligung der inter* Menschen durchgeführt, anstatt an anderer Stelle gegen Diskriminierung vorzugehen. Um dies zu ändern, bedarf es (u. a.) gesellschaftlicher Aufklärung. Hier sind ein paar Hinweise, wie Solidarität und Unterstützung aussehen kann:

  • Darüber sprechen. Je mehr Intergeschlechtlichkeit thematisiert und Bestandteil gesellschaftlichen Wissens wird, desto weniger sind inter* Menschen unsichtbar und werden stigmatisiert. Sprechen Sie innerhalb Ihres privaten und beruflichen Umfeldes darüber, lassen Sie falsche oder diskriminierende Aussagen nicht einfach stehen.
  • Berücksichtigen Sie geschlechtliche Vielfalt in Ihrer Sprache und anderen alltäglichen Bereichen. Beispielsweise können Sie sich bemühen, geschlechtsneutral zu sprechen. Zu beachten ist, dass die Geschlechtsidentität von inter* Menschen – ebenso wie von endogeschlechtlichen Menschen – sowohl binär als auch nicht-binär sein kann. Grundsätzlich ist es ratsam, das Geschlecht/die Geschlechtszugehörigkeit einer Person nicht anhand ihres Aussehens zu vermuten. So ist es sehr aufmerksam, von und mit Menschen anhand ihres Namens zu sprechen und somit geschlechtszuweisende Personalpronomen (er/sie, sein/ihr, ihr/ihm, etc.) zu vermeiden, solange die betreffende Person Ihnen diese nicht mitgeteilt hat.

Ebenso können Sie mit werdenden Eltern in Ihrem Umfeld über Intergeschlechtlichkeit sprechen und generell vermeiden, werdende/frische Eltern nach dem Geschlecht ihres Kindes zu fragen. Ob es dem Kind gut geht, welchen Namen es trägt usw., ist doch eigentlich wichtiger.

  • Unterstützen Sie Aktivist*innen und/oder Organisationen. Es gibt bereits Organisationen mit viel Expertise, guter Vernetzung und Einbezug von intergeschlechtlichen Menschen, sodass Sie das Rad gar nicht neu erfinden müssen (z.B. www.oiigermany.org, www.ilga-europe.org, www.im-ev.de, www.dritte-option.de.).
  • Bei der aufrichtigen Unterstützung benachteiligter Gruppen sollte es nicht um einen selbst gehen, sondern um die Diskriminierten. Auch wenn Sie Ihre Anteilnahme und Betroffenheit natürlich zum Ausdruck bringen dürfen, sollten Sie sich und andere daran erinnern, dass Sie das Privileg haben in die gesellschaftliche Norm zu passen und dadurch einige Vorteile haben. Teilen Sie Ihre Vorteile mit inter* Personen, indem Sie sich an ihrer Seite für sie einsetzen.
  • Vereinnahmen Sie Inter* nicht, um beispielsweise auf die Konstruktion von Geschlecht aufmerksam zu machen. Die Bedarfe von intergeschlechtlichen Menschen sollten im Vordergrund stehen.
  • Nehmen Sie das Thema Inter* und Perspektiven von inter* Menschen in Ihre Arbeit auf.

Webseiten zum Weiterlesen:

Bis heute finden in Deutschland kosmetische Operationen an intergeschlechtlichen Kindern statt. Trotz der Bemühungen von Selbstorganisationen und Aktivist*innen gehen die Zahlen der Operationen an Genitalien von Kindern, die nicht den Erwartungen der Eltern oder Mediziner*innen entsprechen, nicht zurück.[1]

Viele Organisationen wie etwa die UN, Organisation Intersex International (OII), Amnesty International u. a., bewerten diese operativen Eingriffe als Menschenrechtsverletzungen, denn die Kinder können nicht über ihren eigenen Körper entscheiden. Es bedarf der informierten Einwilligung (häufig zu finden als “informed consent“) derjenigen, die sich einer Operation unterziehen, so die Organisationen. Nur bei einer Gefährdung der Gesundheit sollten auch Eltern entscheiden dürfen, dass das Kind operiert wird.

Neben den uneingewilligten Operationen gibt es auch noch andere Bereiche, die als Menschenrechtsverletzungen aufgefasst werden, beispielsweise, wenn das Recht auf persönliche Entfaltung und Entwicklung missachtet wird oder Komplikationen beim Zugang zu den eigenen Krankenakten auftreten.

Menschenrechte, die völkerrechtlich verankert und geschützt sind, beinhalten sowohl den Schutz aller Menschen vor Diskriminierung als auch die Rechte auf Achtung des Privatlebens, auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit, auf Selbstbestimmung und auf Anerkennung.

Verletzungen dieser Menschenrechte für intergeschlechtliche Personen finden statt, wenn

  • Inter* als Störung klassifiziert wird.
  • uneingewilligte Operationen an intergeschlechtlichen Kindern durchgeführt werden.
  • die informierte Einwilligung nicht ernstgenommen wird.
  • das Recht auf persönliche Entfaltung und Entwicklung (vor allem in Bezug auf die Geschlechtsidentität) nicht geachtet wird.
  • Komplikationen beim Zugang zu Krankenakten auftreten.
  • es zu Diskriminierung bei der Zulassung zu Sportverbänden u. ä. kommt.

Ein ausführlicher Bericht von OII Deutschland über die Verletzung der Menschenrechte ist hier zu finden.

Auch Amnesty International beschäftigt sich mit dem Thema Inter* und Menschenrechte. Auf der dortigen Seite sind auch Geschichten von intergeschlechtlichen Menschen zu lesen, deren Rechte nicht gewahrt wurden und werden.

Anregungen dazu, was man selbst tun kann, um die Wahrung der Menschenrechte in Bezug auf Inter* zu unterstützen, gibt es in dem Text zu Solidarität und Unterstützung.


[1] Hoenes, Josch; Januschke, Eugen; Klöppel, Ulrike (2019): Häufigkeit normangleichender Operationen „uneindeutiger“ Genitalien im Kindesalter. Follow Up-Studie. Berlin: Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien.

(Auto-)Biografien

„Raising Rosie“ von Stephani und Eric Lohmann (2018). Englisch. ISBN: 978-1785927676.

„Mein intersexuelles Kind: weiblich männlich fließend“ von Clara Morgen (2013). ISBN: 978-3887472924.

„Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle“ von Christiane Völling (2010). ISBN: 978-3771644550.

Sachbücher

„Die Schönheiten des Geschlechts: Intersex im Dialog“ von Katinka Schweizer (Hrsg.), Fabian Vogler (Hrsg.) (2018). ISBN: 978-3593508887.

„Normierte Kinder. Effekte der Geschlechternormativität auf Kindheit und Adoleszenz“ von Erik Schneider, Christel Baltes-Löhr (Hrsg.) (2014, 2018). ISBN: 978-3-8376-2417-5.

„Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Praxisorientierte Zugänge“ von Michaela Katzer, Heinz-Jürgen Voß (Hrsg.) (2016). ISBN: 978-3-8379-2546-3.

„Intergeschlechtlichkeit. Impulse für die Beratung“ von Manuela Tillmanns (2015). ISBN 978-3-8379-2493-0

Wissenschaftliche Publikationen

Zum Wohle des Kindes? Für die Rechte von Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale in Dänemark und Deutschlandvon Amnesty International (2017).

Gleiche Rechte – Diskriminierung aufgrund des Geschlechts von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2015).

Intersexualität in NRW. Eine qualitative Untersuchung der Gesundheitsversorgung von zwischengeschlechtlichen Kindern in Nordrhein-Westfalen. Projektbericht von Anike Krämer, Prof. Dr. Katja Sabisch (2017).

Zeitungsbeiträge

Wie Christian endlich Christian wurde – Ze.tt.

Wenn das Kind weder Mädchen noch Junge ist – eine Mutter erzählt – Neue Osnabrücker Zeitung.