Intergeschlechtlichkeit bezeichnet generell angeborene körperliche Merkmale, die nicht in die binäre gesellschaftliche Norm von männlich und weiblich passen. Das kann auf genetischer, hormoneller oder anatomischer Ebene sein.

Die Intergeschlechtlichkeit eines Menschen kann sich schon kurz nach der Geburt, im Kleinkindalter oder in der Pubertät zeigen. Manchmal bleibt sie auch unentdeckt.

Inter* hat viele Namen. Wenn Sie mehr über Begriffe und Namen wissen wollen, schauen Sie doch in unser Glossar.

Wie viele intergeschlechtliche Menschen gibt es?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Es gibt keine offizielle Statistik in Deutschland, welche die Zahl der inter* Personen dokumentiert. Außerdem wird auch immer wieder darum gestritten, was als intergeschlechtlich, männlich oder weiblich gilt. Wissenschaftliche Schätzungen hinsichtlich des prozentualen Anteils von inter*Menschen an der Gesamtbevölkerung liegen zwischen 0,02 und 1,7 Prozent.

Zum Vergleich gibt es in Deutschland

  • fast so viele Zwillinge wie inter* Kinder.[1]
  • etwa so viele rothaarige Menschen wie intergeschlechtliche Menschen.[2]

Intergeschlechtlichkeit ist also nicht so selten, wie man denkt. Sie ist allerdings durch die lange währende Tabuisierung des Themas nicht so bekannt.

Variationen der geschlechtlichen Entwicklung sind keine Krankheit

Intergeschlechtlichkeit ist keine Krankheit und schränkt die Gesundheit in der Regel nicht ein. Manche Variationen können allerdings mit spezifischen Gesundheitsrisiken einhergehen. Die Medizin drückt sich in Diagnosen aus und verwendet für Intergeschlechtlichkeit den Sammelbegriff „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ (im Englischen: DSD (Disorders/Differences of Sex Development). Der Begriff DSD wird von Verbänden und Aktivist*innen jedoch kritisiert, da er den Eindruck vermittelt, etwas sei mit dem Körper von intergeschlechtlichen Menschen nicht richtig, sondern er sei „gestört“ und müsse daher behandelt werden.

Muss Intergeschlechtlichkeit behandelt werden?

Nein. Die Intergeschlechtlichkeit an sich ist nicht behandlungsbedürftig. Da ein intergeschlechtlicher Körper aber ganz verschieden aussehen kann, ist es wichtig, ihn gut zu kennen und auch zu wissen, was für Versorgungsleistungen im Einzelfall zustehen. Leider werden bis heute auch immer noch kosmetische Operationen angeboten, die die Gesundheit nicht verbessern, sondern im Gegenteil, die Gesundheit einschränken können.[3] Informationen um die Diskussion zu Menschenrechten finden Sie hier. Mehr zum Thema Gesundheit finden Sie hier.


[1] 2017 kam es bei 1,8% der Geburten in Deutschland zu Zwillings- bzw. Mehrlingsgeburten (Statistisches Bundesamt).

[2] Etwa 1–2 % der Menschen in Deutschland haben naturrote Haare.

[3] Vgl. Schweizer, Katinka; Richter-Appelt, Hertha (2012): Die Hamburger Studie zur Intersexualität. In: Schweizer, Katinka; Richter-Appelt, Hertha: Intersexualität kontrovers. Gießen: psychosozial Verlag. S. 187-205.

Von Andreas Hechler (Bildungsreferent, Berlin)

In diesem Text wird sich vor allem mit den Voraussetzungen für unterstützende pädagogische Arbeit auseinandergesetzt.

Wie Intergeschlechtlichkeit in Bildung und Lehre integriert werden kann, finden Sie hier. Wir haben zudem auch Dos und Don‘ts für Lehrkräfte und Pädogog*innen zusammengestellt.

1. Pädagogik und Intergeschlechtlichkeit

In unserer Gesellschaft ist der Bildungs- und Erziehungsbereich wesentlich an der Formung von Geschlechterverständnissen beteiligt und wirkt bislang an der Unsichtbarkeit intergeschlechtlicher Personen systematisch mit. Es gibt in der Pädagogik, Erziehung, Bildung und sozialen Arbeit nach wie vor kaum Literatur und Material zum Thema Intergeschlechtlichkeit. Es wird, wenn überhaupt, als „Spezial-“, „Rand-“ und/oder „Minderheitenthema“ gesehen.

Das dominante Wissensfeld, in dem Intergeschlechtlichkeit verhandelt wird, ist nach wie vor die Medizin. Aber auch Mediziner*innen und andere Berufsgruppen, die mit Intergeschlechtlichkeit zu tun haben (Jurist*innen, Politiker*innen, Pflegepersonal, …), durchlaufen Bildungsinstitutionen. Zugleich gibt es auch in Bildungsinstitutionen intergeschlechtliche Menschen – als Lehrende/Pädagog*innen und als Lernende/Teilnehmende.

Von daher gilt es:

1. Lernen über Intergeschlechtlichkeit zu ermöglichen (sensibilisieren, Selbstreflexion anregen, eigene Werte reflektieren, Wissen vermitteln, Handlungssicherheit herstellen);

2. zu fragen, wie die Unterstützung intergeschlechtlicher Menschen in pädagogischen Feldern aussehen kann und;

3. Eltern und familiäre Umfelder von Inter* zu unterstützen.

Kernziel wäre in allen drei Fällen dazu beizutragen, dass Intergeschlechtlichkeit angst- und diskriminierungsfrei gelebt werden kann.

In einem größeren Rahmen geht es einer Pädagogik der Vielfalt um Inklusion und Anerkennung des Anderen – in diesem Fall Inter* – in der Differenz und die Akzeptanz menschlicher Vielfalt im Allgemeinen und menschlicher Körper im Besonderen.

2. Voraussetzungen

Die Ausführungen dieses Teils richten sich an endogeschlechtliche Fachkräfte, also Menschen die in die medizinische Definition von männlich oder weiblich passen.

Bei intergeschlechtlichen Fachkräften kann davon ausgegangen werden, dass sie die im Folgenden ausgeführten Voraussetzungen erfüllen.

Eigenes Lernen und Selbstreflexion

Soll ein Lernen über Intergeschlechtlichkeit ermöglicht werden, sind die primäre Zielgruppe zunächst die Lehrenden/Pädagog*innen selbst. Es geht darum, sich von vertrauten Wahrnehmungs- und Denkgewohnheiten zu lösen, den Blick umzukehren von anderen (der Zielgruppe/Schüler*innen/Teilnehmenden /dem behandelten Thema/Inter*, …) auf sich selbst, autobiografisch zu arbeiten und sich selbstreflexiv die eigene geschlechtliche Gewordenheit und die daran gekoppelten Vorstellungen von Geschlecht zu vergegenwärtigen. Hierbei geht es mitnichten nur um eine rein kognitive Auseinandersetzung, sondern auch um emotional-psychische Lern- und Veränderungsprozesse.

Bleibt dieser notwendige Schritt aus, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass pädagogische Fachkräfte ihre Themen mit Geschlecht in externalisierender Weise an Inter* abhandeln. Es ist leider nach wie vor so, dass die Vielfalt menschlicher Körper, Existenz- und Verhaltensweisen, die im Zweigeschlechtersystem nicht aufgehen (können), bei vielen „Männern“ und „Frauen“ eine Identitätskrise nach der nächsten auszulösen scheint, die mit verdeckter bis offener Aggression denjenigen gegenüber abgewehrt wird, die von der Norm „zu weit“ entfernt sind.

Es ist sinnvoll, andere Personen um Begleitung in dieser Auseinandersetzung zu bitten bzw. sich Menschen zu suchen, die diese Auseinandersetzung schon länger führen und von ihnen zu lernen. Erst wenn dem Blickregime der „Normalen“ auf „abnorm“ konstruierte Körper ein Spiegel vorgehalten und sich von dem Wunsch gelöst wurde, über das Geschlecht eines anderen Menschen bestimmen zu wollen,

– kann ein unterstützender Kontakt mit intergeschlechtlichen Menschen möglich sein;

– können andere Menschen (die eigenen Zielgruppen) in dieser Auseinandersetzung begleitet werden.

Ziel ist nicht „Toleranz“ für eine kleine Minderheit, sondern die eben skizzierte selbstreflexive Auseinandersetzung eigener Vorstellungen, Existenz- und Verhaltensweisen mit einer grundsätzlichen Infragestellung von Norm und Abweichung, schlussendlich also die Erkenntnis, dass man selbst „verschieden“ ist. Dieser Prozess ist lebenslang – auch als lehrende Person bleibt man lernend und es ist sinnvoll, dies als Selbstbild zu inkorporieren. Die damit einhergehende Selbstsicherheit minimiert die Angst vor „anderen“ geschlechtlichen Gewordenheiten und Existenzweisen.

Aneignung von Wissen

Um lehren zu können und auch für die eigene Auseinandersetzung, ist es ebenso notwendig, sich Wissen anzueignen. Dazu gehören zumindest rudimentäre Grundlagen aktueller Geschlechtertheorie, Medizin- und Rechtskritik und insbesondere das Zuhören der Erzählungen und Analysen intergeschlechtlicher Menschen – live, in Form von Texten, biografischen Berichten, Dokumentationen, Clips und anderen Medienbeiträgen. U. a. sollte verstanden werden, dass

  • beim Lehren und Lernen über Intergeschlechtlichkeit der gesellschaftliche Umgang mit Inter* im Vordergrund steht und nicht etwa individuelle Diagnosen oder Krankheitsbilder;
  • die „Normalisierung“ von Aussehen Hand in Hand mit der Stigmatisierung von Differenz geht;
  • der Präventionsgedanke der Medizin (Eingriffe, damit das Kind später keine Probleme hat) Unsinn ist – vielmehr schaffen die Eingriffe überhaupt erst die Probleme;
  • die große Mehrheit intergeschlechtlicher Menschen, die ohne geschlechtsverändernde Eingriffe aufwuchs, gesund ist;
  • Kinder/Jugendliche/Erwachsene immer noch intergeschlechtlich sind, selbst wenn es noch so viele „normalisierende“ Eingriffe durch die Medizin gegeben hat;
  • sich Intergeschlechtlichkeit pränatal, direkt nach der Geburt, in der Pubertät oder auch nach der Pubertät zeigen kann;
  • die zentrale Forderung intergeschlechtlicher Organisationen die nach einem Verbot bis zur Volljährigkeit von irreversiblen ärztlichen Eingriffen ist, die die Veränderung der angeborenen geschlechtlichen Merkmale oder der Fortpflanzungsfunktion des Kindes zur Folge haben;
  • es weder um Transgeschlechtlichkeit noch um sexuelle Vielfalt geht und Toilettenfragen, der dritte Geschlechtseintrag etc. im Vergleich zur zuvor genannten Kernforderung nachrangig sind;
  • Tabuisierung Scham produziert;
  • es auch um die eigene Sprache und verwendete Begriffe geht; nicht als Selbstzweck, Kosmetik oder Erfüllung von Codes, sondern aus einer Haltung der Vielfalt wird als logische Konsequenz eine Sprache der Vielfalt.

(Diese Aufzählung ist notwendigerweise unvollständig.)

Genaueres zu Inter* in der Lehre findet sich hier. Wir haben zudem Dos und Don´ts für pädagogische Fachkräfte zusammengestellt.

3. Haltung

Pädagogische Fachkräfte sind als Verbündete von intergeschlechtlichen Menschen gefragt. Zentrale Botschaft und innere Haltung sollten sein: „Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst.“ Kommt es zu einem Outing, ist es wichtig zu verstehen, dass man von vielen anderen als Vertrauensperson ausgewählt wurde und diesbezüglich Verantwortung trägt.

Zugleich sollte verkraftet werden, wenn man nicht nach Unterstützung gefragt wird.

Darüber hinaus sind folgende Tätigkeiten und Aspekte von Relevanz:

Begleiten

Die vielleicht wichtigste Tätigkeit pädagogischen Handelns überhaupt ist die Begleitung. Gemeinsam werden mit Kindern und Jugendlichen ihre Vorstellungen vom eigenen Weg reflektiert und sie werden in diesem begleitet – dies trifft sowohl auf inter- als auch endogeschlechtliche Kinder und Jugendliche zu.

Empathie, Annahme und Aufklärung

Vielen inter* Menschen ist ein Übermaß an Pathologisierung, medizinischer und sozialer Gewalt als auch Leugnung und Bagatellisierung dieser Gewalt widerfahren – zum Teil mit tiefgreifenden Folgen (Traumatisierung, Entfremdung, innerfamiliäre Tabuisierung, Verunsicherung, Einsamkeit etc.). Im Kern geht es daher um Empathie und Verständnis für das Widerfahrene und die Schaffung nicht-pathologisierender Räume, in denen zentrale Werte wie Selbstakzeptanz, Überwindung der Isolation durch Austausch mit Anderen in ähnlichen Situationen (Peer-Ansatz) und Wahrhaftigkeit (im Gegensatz zur Tabuisierung, Falschinformationen und dem Schweigen) gelebt werden können.

In geeigneten Situationen kann darüber aufgeklärt werden, was Inter* sind: Ganz gewöhnliche Individuen, die vollkommen okay sind, die glücklich und zufrieden sein dürfen und sollen und die in bestimmten Aspekten von einer zweigeschlechtlichen Körpernorm abweichen. Dies hat den wichtigen Effekt, dass das Schweigetabu, die Geheimhaltung und das systematische Lügen durchbrochen werden. Im besten Fall findet eine Entlastung durch Erklärung gesellschaftlicher Verhältnisse statt, indem vermittelt werden kann, dass nicht sie das „Problem“ sind, sondern dass es diese Gesellschaft selbst ist, die an der Vielfalt menschlicher Körper und Geschlechter scheitert.

Definitionsmacht

Die Definitionsmacht darüber, wer eine Person ist und wer sie*er sein möchte, ist ohne Einschränkungen in die Hände von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen selbst zu legen. Es ist ganz prinzipiell bei allen Menschen darauf zu achten, dass diese sich ihr Geschlecht selbst wählen dürfen, und zwar jederzeit, und auch immer wieder neu. Weder die Eltern(teile) noch Mediziner*innen noch Jurist*innen sollten das Geschlecht eines Kindes definieren und festlegen. Die eigentlichen Expert*innen sind die jeweiligen Menschen selbst, und ihnen muss Entscheidungsmacht über ihr Leben zurückgegeben werden. Das ist auch genauso gegenüber allen zu vertreten.

Diese Haltung ist auch gegenüber pädagogischen Institutionen anzuraten, in denen nach wie vor allzu oft genau beobachtet wird, ob die Geschlechtsentwicklung bei (inter*) Kindern „normal“ verläuft, d. h., ob diese sich traditionell „männlich“ oder „weiblich“ verhalten, spielen, anziehen und reden. Die permanente Angst, das Kind könnte sich „untypisch“ verhalten und der damit einhergehende Druck, werden durch die Verschiebung der Definitionsmacht auf die Kinder/Jugendlichen aufgelöst, was nicht nur für inter* Kinder / -Jugendliche, sondern auch für die gesamten Umfelder (Eltern, Ärzt*innen, Peers, …) eine wichtige Entlastung schafft.

Schutz bieten und Position beziehen!

Sowohl aus der Neonazismusprävention als auch aus der Begleitforschung zu LSBTQIA+-Aufklärungsprojekten ist bekannt, dass diskriminierende Einstellungen von Kindern und Jugendlichen abnehmen, je deutlicher pädagogische Fachkräfte Position gegen Diskriminierung beziehen.

In Fällen von Übergriffen ist von pädagogisch Tätigen Schutz zu gewährleisten. Dies erstreckt sich nicht nur auf Beleidigungen, Angriffe, Bullying, Mobbing und dergleichen, sondern auch auf medizinische Eingriffe und Verletzungen der Intimsphäre, sofern diese noch stattfinden – hier sollte auf einen Stopp der Ärzt*innenbesuche gedrängt und bei Bedarf bei der Suche nach Alternativen unterstützt werden.

Es darf auf gar keinen Fall (!) zu ungewollten Outings kommen oder gar zum Zwang, etwas über sich erzählen zu müssen. Wenn sich eine intergeschlechtliche Person Ihnen gegenüber öffnet, besprechen Sie Unterstützungswünsche und -möglichkeiten. Nehmen Sie dabei Selbstbestimmungswünsche sehr ernst, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sehr vielen inter* Menschen Selbstbestimmung häufig in extremer Weise unmöglich gemacht wurde.

Wenn ein*e Inter* Lust hat, etwas zu seinem*ihrem Körper, OPs, Sexleben und dergleichen zu erzählen, wird er*sie das tun – danach zu fragen ist nicht okay! Okay und wichtig ist hingegen, darüber aufzuklären, dass derartige sensationslüsterne Fragen oft übergriffig sind.

Peer-Kontakte und Empowerment fördern

Pädagogisch Tätige, die selbst nicht intergeschlechtlich sind, sollten darauf hinarbeiten, dass intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche, für die sie eine Verantwortung haben, Kontakt zu anderen intergeschlechtlichen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bekommen. Inter*-Peergroups, Pat*innen, Unterstützungs- und Selbstorganisationen sollten ausfindig gemacht und Treffen ermöglicht werden. Von sehr vielen inter* Menschen wird das Kennenlernen von anderen inter* Menschen als enorm wichtiger, stärkender und hilfreicher Selbstermächtigungsprozess beschrieben. Eine besondere Bedeutung für Vernetzung haben in dieser Hinsicht auch Online-Communities.

Derartige Kontakte und Selbstorganisierungen können nicht nur dazu beitragen, dass intergeschlechtliche Menschen enorm gestärkt werden, sondern auch dazu, dass sie sich überhaupt erst voll und ganz als Inter* begreifen (lernen). Dies ist zumeist ein langer Weg, erschwert doch die Verhinderung des ursprünglichen Körpers und die immer wiederkehrende Frage „Was wäre wenn, …“ einen positiven Bezug auf Intergeschlechtlichkeit.

Erfolgt kein Kontakt zu inter* Communities, werden Vereinzelung und Einsamkeitsgefühle bewusst in Kauf genommen.

Fehlerfreundlichkeit mit sich selbst

Ansonsten gilt, wie sonst auch: Wohlwollen mit sich selbst. Widerspruchsfreies Handeln ist nur selten möglich und die Grenzen zwischen gut gemeint und nicht so gut gemacht sind oft fließend und lassen sich individuell nicht aufheben; sind also kein persönliches Versagen, sondern strukturell angelegt. Dies betrifft beispielsweise die Beschäftigung mit Intergeschlechtlichkeit, die einerseits „total spannend“ sein kann und andererseits exotisierend oder die Beschreibung von Diskriminierungen und Unrecht einerseits und der Produktion von Opferidentitäten andererseits. Diese Dilemmata auszuhalten und sinnvoll zu navigieren ist besser, als sie nach einer Seite hin aufzulösen und sich damit selbst handlungsunfähig zu machen und das Thema Intergeschlechtlichkeit als „zu kompliziert“ zu verwerfen.

4. Eltern-/Familienarbeit

Pädagogik heißt häufig auch Elternarbeit. Mit Blick auf Studien zu transgeschlechtlichen, homo- und bisexuellen Jugendlichen kann davon ausgegangen werden, dass die elterliche und familiäre Akzeptanz und Unterstützung auch für intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche von großer Wichtigkeit sind. Zugleich gibt es bislang kaum professionelle Unterstützungsangebote – weder für Inter* selbst noch für Eltern, andere Verwandte oder nahe Bezugspersonen. Sozial(pädagogisch)e, erzieherische und Bildungsarbeit sollte hier – wie sonst auch – die familiären Umfelder in die Arbeit mit einbeziehen.

Eltern sind als Verbündete und Anwält*innen ihrer intergeschlechtlichen Kinder gefragt – das sollte ihnen verdeutlicht werden. Zugleich sind sie diejenigen, die hierfür Unterstützung benötigen. Viele Eltern intergeschlechtlicher Kinder fühlen sich alleine gelassen und benötigen Stärkung. Es ist sinnvoll, wenn sich Eltern ein Unterstützungsnetzwerk aufbauen, insbesondere mit anderen Eltern, die ein intergeschlechtliches Kind haben.

Eltern intergeschlechtlicher Kinder sollten u.a.

  • wissen, dass sie Zeit haben. Sie sollten sich nicht von Ärzt*innen zu schnellen und irreversiblen medizinischen Maßnahmen drängen lassen.
  • sicherstellen, dass die Entscheidungen, die sie heute treffen, dem Kind offen und ehrlich kommuniziert werden können, wenn es älter ist.
  • wissen, dass das Verheimlichen von Informationen über den Körper des Kindes vor diesem die Eltern-Kind-Beziehung schwer belasten kann.
  • umfassende Informationen über Patient*innenrechte und die intergeschlechtlichen Merkmale des Kindes einholen.
  • jede Untersuchung und jedes Gespräch mit Professionellen dokumentieren.

Mehr Informationen für Eltern finden sich – leider nur auf Englisch – in dem Text I am a parent / friend.

Von Andreas Hechler (Bildungsreferent, Berlin)

Hier finden Sie konkrete Hinweise, wie Sie inter* Kinder und Jugendliche in ihrer Bildungseinrichtung unterstützen und wie Sie das Thema in Ihre Arbeit einbinden können.

Mehr zur Haltung und Voraussetzungen zu geschlechterreflektierter Arbeit finden Sie hier. Wir haben zudem auch Dos und Don‘ts für Lehrkräfte und Pädagog*innen zusammengestellt.

Inter* in Bildungssettings

Inter* Kindern und Jugendlichen kann aus verschiedenen Gründen in Erziehungs- und Bildungseinrichtungen Diskriminierung widerfahren – auch wenn sie nicht geoutet sind. Auslöser können beispielsweise „untypische“ Pubertätsverläufe und körperliche Merkmale sein, erzwungenes Verstecken der eigenen Geschlechtlichkeit oder Fehlzeiten aufgrund von medizinischen Behandlungen. Zugleich kann die Resilienz, also die Widerstandskraft gegenüber Diskriminierung, aufgrund eines geringen Selbstbewusstseins und einer Tendenz zur Selbstisolation als Folgen medizinischer Eingriffe und gesellschaftlichem Schweigetabu minimiert sein. Dazu können mangelnde Identifikationsmöglichkeiten mit Peers kommen und ganz generell wenige Freundschaften. Dies alles kann zu enormem Stress, Verhaltensauffälligkeiten, massiven Mobbing- und Diskriminierungssituationen beitragen, zu Leistungseinbußen durch psychische Beeinträchtigungen und Schulausfall bis hin zum Schulabbruch führen.

Die genannten Schwierigkeiten haben zur Folge, dass intergeschlechtliche Menschen häufig unterdurchschnittlich abschneiden und ihre Potenziale nicht voll entwickeln können, was einen großen Einfluss auf den weiteren Bildungsweg und die Lebensplanung hat.

Es ist wichtig, diese Hintergründe zu verstehen und sich unmissverständlich und unterstützend an der Seite von Inter* zu positionieren. Diese Haltung sollte auch in der Arbeit mit Eltern vermittelt werden.

Empowerment UND Sensibilisierung

Lern- und sonstige Gruppen sind grundsätzlich heterogen, das gilt auch beim Thema Intergeschlechtlichkeit. Wenn keine geouteten inter* Personen anwesend sind – das dürfte die Regel sein – heißt das nicht, dass keine intergeschlechtlichen Menschen anwesend sind. Auf einer Haltungsebene sollte grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sowohl inter- als auch endogeschlechtliche Menschen (also Menschen, die nicht intergeschlechtlich sind) Teil von Lerngruppen und pädagogischen Settings sind.

Endogeschlechtliche Kinder und Jugendliche benötigen zumeist Sensibilisierung für das Thema Intergeschlechtlichkeit und eine Erweiterung ihres Wissens. Intergeschlechtliche Kinder und Jugendliche sind in aller Regel sensibilisiert – für sie können Empowerment-Angebote eine wichtige Ressource sein.

Die beiden Ansätze Sensibilisierung und Empowerment können gut zusammenpassen, es kann sich aber auch um ein Spannungsfeld handeln, das widersprüchlich und pädagogisch nicht einfach zu handhaben ist. In bestimmten Situationen kann es beispielsweise sinnvoll sein, Gruppen zu trennen, sofern es geoutete inter* Personen gibt. Das komplexe Spannungsfeld aus Unsichtbarkeitsdynamiken, Empowerment und Sensibilisierung wird in der Handreichung Pädagogik geschlechtlicher, amouröser und sexueller Vielfalt – Zwischen Sensibilisierung und Empowerment umfassend erörtert

Implizite Thematisierung von Intergeschlechtlichkeit

Intergeschlechtlichkeit kann implizit oder explizit thematisiert werden.

Bei impliziter Thematisierung werden inter* Personen als selbstverständlicher Teil der Gesellschaft in Schrift und Bild dargestellt. Sie kommen als alltäglicher Teil gesellschaftlichen Lebens vor, ohne dass dies in positiver oder negativer Weise zum Thema wird und auch nicht nur dann, wenn es um Geschlechterthematiken geht.

Der impliziten Thematisierung von Intergeschlechtlichkeit muss häufig eine explizite zur Seite gestellt werden, da Intergeschlechtlichkeit implizit in aller Regel nicht vorkommt und die Unsichtbarmachung des Themas ansonsten ihre Fortsetzung fände.

Explizite Thematisierung von Intergeschlechtlichkeit

Bei der expliziten Thematisierung von Intergeschlechtlichkeit werden inter* Lebensweisen sichtbar gemacht und der gesellschaftliche Umgang mit Intergeschlechtlichkeit thematisiert. Dabei sind einige Aspekte zu beachten, die auf die generelle Schwierigkeit verweisen, zu Diskriminierung zu arbeiten, ohne dabei Diskriminierung zu reproduzieren.

1. Es sollte bei der Behandlung des Themas medizinisches/biologisches Wissen nicht am Anfang und nur in geringen Dosen in kritischer Absicht reproduziert werden. Es ist nur schwer möglich, mit dem medizinischen Modell der Syndrome und Pathologien inter* Personen anders als über diesen medizinischen Blick wahrzunehmen. Als Menschen mit ganz individuellen Interessen, Vorlieben, Erfahrungen und Lebensrealitäten geraten sie dadurch aus dem Blick.

2. Mit dem Argument des letzten Satzes sollten inter* Körper auch nicht zur Dekonstruktion biologischer Zweigeschlechtlichkeit funktionalisiert werden, auch wenn das ein ehrenwertes und wichtiges Anliegen ist.

3. Die Folgen medizinischen und juristischen Handelns und die Gewalt, die inter* Menschen angetan wurde/wird, sollte sichtbar werden, ebenso die Anliegen, Forderungen und Widerstandsbewegungen dagegen. Dabei ist große Sensibilität vonnöten; bloßstellende Nacktfotos oder ähnliche Viktimisierungen sind in jeder Hinsicht zu vermeiden. Der Fokus liegt nicht auf Pathologien und Syndromen, sondern auf Diskriminierung und Menschenrechten. Dabei sollten intergeschlechtliche Menschen als Expert*innen und Autoritäten zu Wort kommen (als Referent*innen, Autor*innen, Erzähler*innen, Filmemacher*innen, …), nicht bloß als „Betroffene“ oder gar „Freaks“.

4. Darüber hinaus sollten intergeschlechtliche Menschen als eigenständige Personen in den Vordergrund treten, als Individuen mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen, Fähigkeiten etc., die nichts mit ihrer Intergeschlechtlichkeit zu tun haben.

An dieser Aufzählung wird deutlich, dass die Stimmen intergeschlechtlicher Menschen nötig sind. Sie sind nötig, da es ansonsten zu einem Sprechen über anstelle eines Sprechens mit kommen kann, wenn das Thema aus einer nicht-intergeschlechtlichen Perspektive aufgegriffen wird, und das kann verletzend und belehrend sein. Dies umso mehr, wenn intergeschlechtliche Personen anwesend sind, die sich vor potenzieller Diskriminierung schützen wollen und sich deswegen nicht outen. Intergeschlechtliche Stimmen können gut über Clips, Dokumentationen, Texte, Social Media etc. in Lehr- und Lernkontexte geholt werden.

Intersektionalität

Intergeschlechtliche Menschen und ihre Erfahrungen können sehr unterschiedlich sein; es gibt nicht die eine Inter* Erfahrung und die Repräsentation einer inter* Person kann zwar eine Tendenz abbilden, ist aber nicht stellvertretend für andere. Wie inter* Menschen ihre Intergeschlechtlichkeit (er)leben, ist genauso divers wie endo* Menschen ihre Endogeschlechtlichkeit (er)leben.

Die Unterschiede können individuell-persönlich oder auch gruppenbezogen sein, abhängig von anderen Dimensionen der Ungleichheit wie sexuelle Orientierung, Herkunft, Religion, Behinderung, Klasse und dergleichen mehr. Es ist wichtig, die Vieldimensionalität und Unterschiedlichkeit von Lebenssituationen und mehrdimensionale Formen der Diskriminierung wie Privilegierung wahrzunehmen. Eine Schwarze inter* Person wird sehr wahrscheinlich andere Erfahrungen machen als eine weiße, und eine lesbisch lebende intergeschlechtliche Frau in einer Großstadt andere Erfahrungen als eine als inter lebende intergeschlechtliche Person auf dem Land, die auf Männer steht.

Es sollten von daher immer mehrere Biografien von inter* Personen gezeigt und explizit die individuellen Unterschiede wie auch gruppenbezogenen Differenzen herausgearbeitet werden.

Rauszoomen: Geschlechternormen betreffen alle

Schlussendlich sollte der Fokus auf inter* Menschen wieder weggenommen und der gesellschaftliche Umgang mit Intergeschlechtlichkeit in einen größeren Kontext gestellt werden. Intergeschlechtlichkeit ist lediglich ein Aspekt geschlechtlicher Vielfalt.

So können in Lehr‐ und Lernkontexten beispielsweise geschlechtliche und sexuelle Normen thematisiert werden, die alle Menschen betreffen, ohne dabei Unterschiedlichkeiten auszublenden. Schönheitsideale, Männlichkeits- und Weiblichkeitsanforderungen und dergleichen bedeuten für alle Menschen Zwang zu einer stereotypen Geschlechtspräsentation und ein vorprogrammiertes sich Reiben und Scheitern an den rigiden Normen der Zweigeschlechterwelt – auch die Körper und Genitalien von Menschen, die nicht als intergeschlechtlich klassifiziert werden, sind sehr unterschiedlich. Von daher bedeutet die kritische Beschäftigung mit Intergeschlechtlichkeit sowie eine Entlastung von Männlichkeits- und Weiblichkeitsanforderungen auch eine Entlastung für endo* Menschen und macht ihre Leben entspannter und individuell lebenswerter. Wenn Einrichtungen geschlechterreflektiert denken und handeln – von der Toilettenarchitektur über die Programm- und Innengestaltung bis hin zum eingestellten Personal und der benutzten Sprache – profitieren alle Kinder und Jugendlichen davon. Schulen und Einrichtungen der Kinder‐ und Jugendhilfe sind dementsprechend als Orte der Vielfalt zu begreifen, die dort sichtbar wird und gelebt werden kann.

Geschlechtliche Vielfalt umfasst nicht nur Trans* oder Inter*, sondern auch, wenn es „nur“ um „Männer“ und „Frauen“ geht – diese sind auch Teil geschlechtlicher Vielfalt. Intergeschlechtlichkeit kann daher gesondert oder als eines von mehreren relevanten Themen in Lehr‐/Unterrichtseinheiten zu Geschlechterverhältnissen, Sexualpädagogik, Diskriminierung oder einem anderen Überthema integriert werden. Es geht dabei nicht nur um eine rationale, wissensbasierte Auseinandersetzung, sondern auch um eine Reflexion der eigenen Emotionen zum Thema, beispielsweise in Form von Solo-Reflexion und Kleingruppenarbeiten. Lerngruppen sollten diesbezüglich bestärkt werden, über das eigene geschlechtliche Dasein und dessen Gewordenheit nachzudenken. In diesem Zusammenhang kann thematisiert werden, dass Geschlecht pränatal bzw. bei Geburt zugewiesen wird, zugleich aber einer historischen Wandelbarkeit unterliegt.

Unterrichtsfächer

Biologie: Das Thema Intergeschlechtlichkeit sollte nicht nur im Biologieunterricht behandelt werden. Wenn, sollte deutlich werden, dass alle menschliche Körper sehr unterschiedlich sind und diese in einer zweigeschlechtlichen Logik nicht aufgehen.

Geschichte: Im Rahmen einer Hermstory, einer inter* Geschichtsschreibung, kann prominenten inter* Personen nachgespürt werden. Hierfür bietet sich u. a. Herculine Barbin an, für die*den es auch Unterrichtsmaterialien gibt.

Englisch: Hier könnten verschiedene Videos von Aktivist*innen aus den USA, etwa der TED Talk von Emily Quinn oder der Power Talk von Steph Lum angeschaut und diskutiert werden.

Französisch: Auch hier bieten sich u. a. die Memoiren der*s Herculine Barbin an.

Ethik/Politik: Hier können aktuelle Auseinandersetzungen wie beispielsweise Rechtsreformen diskutiert werden, es können aber auch inter* Bewegungen als soziale/politische Bewegungen und Kämpfe intergeschlechtlicher Menschen thematisiert werden.

Ein Video, was verschiedene Aspekte von Inter* beleuchtet und dadurch für verschiedene Unterrichtsfächern geeignet ist, findet sich auf der Seite von Planet Schule.

Weitere Anregungen zur Unterrichtsgestaltung finden sich u.a. in einem Beitrag von Ursula Rosen in der Broschüre “Schule lehrt/lernt Vielfalt“ (S. 172–174). Eine Sammlung von Stimmen intergeschlechtlicher Menschen findet sich im Text zu Stimmen – Vorbilder – Empowerment.

Mit Unterstützung von Andreas Hechler

Intergeschlechtliche Menschen sieht man bisher wenig im öffentlichen Raum. Auch in Serien, Büchern oder im Fernsehen sind sie wenig repräsentiert.

Wir wollen hier ein paar Stimmen von intergeschlechtlichen Menschen und ihren Angehörigen sammeln, die verschiedene Facetten ihres Lebens mit uns teilen.

Es gibt im Internet einige Videos, Beiträge oder Projekte zum Thema Intergeschlechtlichkeit. Hier haben wir ein paar davon gesammelt:

OII Europe (Organisation Intersex International, Europe) haben unter #MY INTERSEX STORY Geschichten von inter* Menschen aus ganz Europa versammelt. Auf der Projektseite finden sich Videos und Informationen zum Projekt. Im Buch erzählen inter* Menschen aus ganz Europa ihre Geschichten. (Webseite und Geschichten sind auf Englisch)

Das 2012 gegründete Interfaceproject porträtiert intergeschlechtliche Personen in ihren verschiedenen Lebensrealitäten. Die Personen stellen sich in kurzen Videos selbst vor und berichten aus ihren Leben, zu jedem Video gibt es außerdem ein Transkript.

Die Sendung Auf Klo vom öffentlich-rechtlichen Jugendsender funk hat in einer Folge Audrey aus der Schweiz zu Gast. Audrey berichtet unter anderem von den medizinischen Eingriffen, die sie als Kind und Jugendliche erlebt hat:

(Die Videos sind auf Deutsch, Französisch oder Englisch. Meist auch mit deutschen Untertiteln.)

Weitere Videos von Audrey finden Sie auf ihrem Youtube Kanal (Audr XY). (Die Videos sind auf Deutsch, Französisch oder Englisch, meist auch mit deutschen Untertiteln)

Auf der medienpädagogischen Seite Planet Schule finden Sie ein Video, in dem Lynn aus Berlin berichtet, wie es ist, intergeschlechtlich zu sein.

Der YouTube Kanal von OII Europe präsentiert ein Video mit dem Titel „My intersex Story“:

(Englisch mit deutschen Untertiteln.)

Vom WDR gibt es außerdem einen Beitrag, in dem eine Mutter zu ihren Erfahrungen mit der Intergeschlechtlichkeit ihres Kindes interviewt wird. Auch in der EMMA findet sich ein Text einer Mutter. Hier erzählt J.M. Pulvermüller wie es ist ein intergeschlechtliches Kind zu haben.

Ted Talk von Emily Quinn – Wie wir über das biologische Geschlecht denken ist falsch. (Englisch mit deutschen Untertiteln.)
Emily Quinn ist Autorin, Grafikerin und Aktivistin bei InterAct.

Die Bücher Inter*Trans*Express und Identitätskrise 2.0 sind eine Sammlung von Kurzgeschichten, Gedichten und Zeichnungen von Alltag und Widerstand als „Genderoutlaw“. Beide Bücher beschreiben persönliche Erfahrungen und machen damit Inter* Perspektiven sichtbar. Hier finden Sie exklusiv Auszüge aus beiden Büchern.

Weiteres Material von intergeschlechtlichen Menschen:

Bücher und Webseiten

Sammelband mit kurzen, persönlichen Geschichten von intergeschlechtlichen Menschen aus der ganzen Welt.

  • Inter – Erfahrungen intergeschlechtlicher Menschen in der Welt der zwei Geschlechter. Von Elisa Barth u.a. (2017/2013): Berlin: NoNo Verlag / Münster: edition assemblage.

Kurzgeschichten, Gedichte und Zeichnungen einer intergeschlechtlichen Person:

  • Identitätskrise 2.0 oder eine Analyse meiner linken DNA. Von Ika Elvau (2019). Münster: edition assemblage.
  • Inter*Trans*Express* – eine Reise an und über Geschlechtergrenzen. Von Ika Elvau (2014): Münster: edition assemblage.

Portale und Webseiten auf denen inter* Personen von sich erzählen:

Webseiten und Broschüren wo man sich weiter zu Inter* informieren kann:

  • Regenbogenportal – Das Wissensnetz zu gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlicher Vielfalt. Viele lesenswerte Texte, auch zum Thema Intergeschlechtlichkeit des BMFSFJ.
  • Inter* und Sprache. Eine Broschüre des Antidiskriminierungsprojekts von TransInterQueer.
  • Wenn Sie das Thema Akzeptanz und Vielfalt weiter fördern möchten, finden Sie in der Broschüre Akzeptanz für Vielfalt viele Anregungen für Kinderbücher.

Videoclips

Empfohlene (Film-)Dokumentation:

Comics und Graphic Novels

Von Andreas Hechler (Bildungsreferent, Berlin)

Hier finden Sie eine Liste von Dos und Don’ts für die pädagogische Arbeit. Wenn Sie mehr zu Haltung und Voraussetzungen für sensible pädagogische Arbeit wissen wollen, kann Ihnen dieser Text helfen. Zudem finden Sie hier einen Text, der zeigt, wie man Intergeschlechtlichkeit in die pädagogische Arbeit integrieren kann. Bei den Begrifflichkeiten ist vielleicht unser Glossar hilfreich.

Don’t Do
Intergeschlechtlichkeit als Thema ist zu kompliziert.Intergeschlechtlichkeit als Thema proaktiv behandeln.
Nur mal erwähnen, dass es Intergeschlechtlichkeit gibt.Die Vielfalt der Geschlechter in jeder (pädagogischen) Situation mitdenken und mitsprechen sowie zum Ausgangspunkt des eigenen Handelns machen.
Intergeschlechtlichkeit kommt als Thema in Lehrplänen, Studiengängen, Ausbildung und Fortbildungen nicht vor. Das Thema wird nur mal behandelt, wenn noch Zeit ist und bei Interesse der Lerngruppe.Feste Verankerung des Themas in Ausbildung, Lehrplänen und Studiengängen sozialer, pädagogischer, juristischer und medizinischer Berufe.
Mangelnde Selbstreflexion und -verortung. Reflexion der eigenen Position (fortwährende Auseinandersetzung mit der eigenen gesellschaftlichen Position, der eigenen Selbstdarstellung und der Rolle als Pädagog*in).
Inter* Personen sind krank – Pathologisierung.Inter* Personen werden diskriminiert. Daher gesellschaftlichen Umgang mit Intergeschlechtlichkeit thematisieren und entpathologisieren.
Medizin als Autorität. Medizinisches Modell von Intersexualität verwenden.Inter* Personen als Expert*innen ihrer Selbst erstnehmen, Selbstzeugnisse von inter* Personen kennen und nutzen, den Fokus auf Menschenrechte legen.
Gegenüberstellung eines weiblichen und eines männlichen Normkörpers, die klar voneinander unterschieden sind. Sichtbarmachung vieler verschiedener Körper und geschlechtlicher Ausprägungen.
Nur Leidens- und Opfergeschichten erzählen.Erzählungen von empowerten (selbstermächtigten), selbstbewussten inter* Personen in ihren individuellen Vielfältigkeiten.
Hauptthemen: All-Gender-Toiletten und Identitätsfragen. Hauptthemen: Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen. Die Forderungen von Inter*-Organisationen aufgreifen, allen voran die nach einem Verbot von irreversiblen ärztlichen Eingriffen, die die Veränderung der angeborenen geschlechtlichen Merkmale oder der Fortpflanzungsfunktion des Kindes zur Folge haben.
Dekonstruktion der Zweigeschlechtlichkeit über intergeschlechtliche Körper.Intergeschlechtlichkeit nicht für eigene/andere Zwecke benutzen, sondern Biografien und Lebenswelten von inter* Personen sichtbar machen.
Kein*e Antidiskriminierungsbeauftragte*r in der Einrichtung/Träger/Schule. Fest etablierte*r Antidiskriminierungsbeauftragte*r mit Handlungsmacht in der Einrichtung/Träger/Schule.
Zweigeschlechtliche Architektur, die restriktiv durchgesetzt wird. Inklusive Architektur (auch All-Gender-Toiletten) und kreative Umgangsweisen (auch Einzelumkleiden, Duschzeiten für bestimmte Gruppen, …).
Kolleg*innen/Schüler*innen/Teilnehmenden/… erzählen, wer intergeschlechtlich ist.Das Coming-out eines inter* Kindes/Jugendlichen vertraulich behandeln und gemeinsam mit ihm*r überlegen, ob andere davon wissen sollen und durch wen. Das Coming-out ist einzig und allein Angelegenheit der inter* Person!
Witze, Kommentare u. ä. bei Änderungswünschen des Pronomens. Respekt und Akzeptanz bei geschlechtlichen Selbstdefinitionen, Selbsterprobung ermöglichen (Raum geben und Unterstützung für nicht‐stereotype Geschlechtspräsentationen).
Aussagen wie: „War doch nicht so gemeint.“, „Stell dich nicht so an!“, „Du musst dich wehren!“, …Intervention bei Diskriminierungen (aufmerksam sein, entschlossen und zielgerichtet eingreifen).
Trans* und Intergeschlechtlichkeit als ein Thema abhandeln.Transgeschlechtlichkeit und Intergeschlechtlichkeit getrennt voneinander sehen und Thematik differenziert behandeln.
Eine Textstelle über inter* Personen mit einem Foto einer trans* Person illustrieren. Passung von Bild und Text und immer nur mit Genehmigung der jeweiligen Personen ein Foto verwenden.
„Sexuelle Vielfalt“ sagen, … …wenn es doch um „geschlechtliche Vielfalt“ geht.
„Intersexualität“. „Intergeschlechtlichkeit“.
„Uneindeutig“. Wort streichen – jedes Geschlecht ist eindeutig!
„Zwischen den Geschlechtern“. Aussage streichen – „Geschlecht“ ist mehr als nur „Mann“ und „Frau“.
„Variante“, „besonders“, „Phänomen“, „Laune der Natur“, „Störung“, „Fehlentwicklung“, „Anomalie“, „Syndrom“, „Pseudohermaphrodit“, „Betroffene*r“, „fehlt“, „nicht ausgebildet“, „falsch“, „normal“, „typisch“, „zu viele“, „zu wenige“, „zu groß“, „zu klein“… „Intergeschlechtlichkeit“, „Inter*“, „inter* Person“, „geschlechtliche Selbstbestimmung“, „Menschenrechte“, „Variation“.

(Auto-)Biografien

„Raising Rosie“ von Stephani und Eric Lohmann (2018). Englisch. ISBN: 978-1785927676.

„Mein intersexuelles Kind: weiblich männlich fließend“ von Clara Morgen (2013). ISBN: 978-3887472924.

„Ich war Mann und Frau. Mein Leben als Intersexuelle“ von Christiane Völling (2010). ISBN: 978-3771644550.

Sachbücher

„Die Schönheiten des Geschlechts: Intersex im Dialog“ von Katinka Schweizer (Hrsg.), Fabian Vogler (Hrsg.) (2018). ISBN: 978-3593508887.

„Normierte Kinder. Effekte der Geschlechternormativität auf Kindheit und Adoleszenz“ von Erik Schneider, Christel Baltes-Löhr (Hrsg.) (2014, 2018). ISBN: 978-3-8376-2417-5.

„Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Praxisorientierte Zugänge“ von Michaela Katzer, Heinz-Jürgen Voß (Hrsg.) (2016). ISBN: 978-3-8379-2546-3.

„Intergeschlechtlichkeit. Impulse für die Beratung“ von Manuela Tillmanns (2015). ISBN 978-3-8379-2493-0

Wissenschaftliche Publikationen

Zum Wohle des Kindes? Für die Rechte von Kindern mit Variationen der Geschlechtsmerkmale in Dänemark und Deutschlandvon Amnesty International (2017).

Gleiche Rechte – Diskriminierung aufgrund des Geschlechts von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2015).

Intersexualität in NRW. Eine qualitative Untersuchung der Gesundheitsversorgung von zwischengeschlechtlichen Kindern in Nordrhein-Westfalen. Projektbericht von Anike Krämer, Prof. Dr. Katja Sabisch (2017).

Zeitungsbeiträge

Wie Christian endlich Christian wurde – Ze.tt.

Wenn das Kind weder Mädchen noch Junge ist – eine Mutter erzählt – Neue Osnabrücker Zeitung.

Mit großer Unterstützung von Andreas Hechler

Sie arbeiten mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen und wollen das Thema Intergeschlechtlichkeit in Ihre Arbeit integrieren? Um Intergeschlechtlichkeit thematisch in Ihre Arbeit einzubinden, gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können dies als immer mitgedachtes Thema (implizit) oder ausdrücklich (explizit) tun. Was bei dem Thema Intergeschlechtlichkeit und Pädagogik wichtig ist und welche Dos und Don’ts zu beachten sind, können Sie an anderer Stelle nachlesen.

Auf dieser Seite verweisen wir auf einige nützliche Materialien für unterschiedliche Zielgruppen. Videos und Beiträge von intergeschlechtlichen Menschen finden sich hier ebenfalls – so können Sie inter* Menschen selbst zu Wort kommen lassen. Schauen Sie sich gerne auch unsere Seite zu Stimmen und Vorbildern an.

Da das Thema Intergeschlechtlichkeit im deutschsprachigen Raum immer mehr Beachtung findet, kann es sein, dass dieser Stand von Oktober 2019 schon bald nicht mehr aktuell ist. Informieren Sie sich gerne zusätzlich selbst.

Unterrichtsmaterial

Kinderbücher, die das Thema Intergeschlechtlichkeit aufgreifen, finden Sie hier.

Bücher und Webseiten

Videoclips

Comics und Graphic Novels

Projekte

  • SCHLAU NRW
    Das Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt bietet Workshops für Schulklassen, Jugendgruppen oder Gruppen junger Erwachsener an. Die Thematik Intergeschlechtlichkeit wird derzeit sukzessive aufgenommen.
  • Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie
    Im Schulprojekt können sich Schüler*innen und Lehrer*innen dafür einsetzen, dass an Schulen mehr gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans*, inter* und queeren Menschen getan wird. Auf der Homepage finden sich Materialien für Unterricht und Projekttage sowie weitere Vorschläge, wie Schulen sich für die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen einsetzen können. Die Thematik Intergeschlechtlichkeit findet Raum in den Materialien.